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Ich schließe die Augen, schwimme blind. Vertraue. Vor allem mir selbst. Hinter meinen geschlossenen Lidern gleißt rotes Licht und der Wind peitscht mir das Wasser ins Gesicht, treibt mir die Tränen in die Augen. Ich tauche unter, schwerelos. Die Sonne auf meinem Scheitel verschwindet und nichts als Blau umgibt mich. Ich zähle. Das ist ein Tick von mir; immer wenn ich mich entspannen möchte, zähle ich. Meine Atemzüge, meine Schwimmbewegungen, die Sekunden. Ich genieße die Stunden, in denen niemand etwas von mir will, ich spreche nicht und höre niemandem zu außer mir selbst. Das Meer umfängt mich vollkommen. Alles ist gut.

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Das Wlan funktioniert hier in Kroatien auf meinem Handy nur schlecht, und ehrlich gesagt ist das eine Erleichterung. Ich schließe das Handy im Safe ein und als ich es 2 Tage später wieder heraus nehme, erreichen mich per Mail mehrere schlechte Neuigkeiten aus Deutschland, die mich richtig runter ziehen. Nie zuvor habe ich mein Handy, das Internet, das immer erreichbar sein so sehr gehasst. Wieso habe ich es nicht einfach ausgelassen? Von diesem Tag an meide ich den Safe mit unseren Wertsachen. Tagsüber am Meer, am Pool, sind meine Gedanken befreit. Kein Instagram, kein whats App, noch nicht mal Musik höre ich in dieser Woche. Erst abends, wenn wir nach einem wunderschönen Sonnenuntergang und einem Abendspaziergang in der wunderbaren Luft in unser Hotel Zimmer zurück kehren, wird mein Herz schwer, und ich muss schnell mein Buch weiter lesen, damit ich bloß nicht dran denke. Jeden Abend wiederholt sich das Spiel. Tagsüber schwelge ich im Glück, kann meine Dankbarkeit und die Schönheit des Ortes, an dem wir uns befinden, gar nicht in Worte fassen. Nachts dagegen verwandele ich in mein melodramatisches 16- jähriges Ich und zerfließe in Sorgen, in meiner Wut, bis 6 Uhr am Morgen. Mit der Besonderheit, dass das Meer jeden Morgen meine Sorgen hört und weg spült, sie auf meiner Luftmatratze davon trägt und mir neue Zuversicht schenkt.
Ich schließe die Augen, schwimme blind. Vertraue. Vor allem mir selbst.

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Ich schreibe diesen Text am Flughafen in Kroatien auf meinem Handy. Es ist jetzt wieder mein Verbündeter, nicht länger mein Feind. Es kann schließlich nichts für die Nachrichten. Ich kann das Salz noch auf der Haut schmecken, vom Meer, in dem ich vorhin noch gebadet habe. Trage mein Bikini Oberteil noch drunter, konnte mich noch nicht ganz verabschieden. Ich wünschte, ich könnte es für immer schmecken, riechen. Und dass es mir weiterhin alle Last von den Schultern nehmen könnte. Es ist schon fast zu einer Erinnerung verblasst. Und doch bin ich dankbar. Wir sind in der Luft, fliegen zurück nach Hause. Die Kraft des Meeres.. Sie hat mich aufgefangen. Ich weiß jetzt, dass ich irgendwie alles wieder in Ordnung bringen kann, wenn ich daran arbeite. Ich tauche auf, schwerelos.
Ich schließe die Augen, schwimme blind. Vertraue. Vor allem mir selbst. Das Meer umfängt mich vollkommen. Alles ist gut.

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2 comments on “To feel free”

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