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Wellen durchfahren meinen ganzen Körper, schütteln meine Schultern, verharren bei meinen Schlüsselbeinen. Meine Gedanken kreisen um Klausuren, Abgaben, Packen, um den nahenden Abschied. Ich bin nervös, und das seit Tagen. Die Wellen halten mich in dieser Nacht fest umklammert, nehmen mir die Luft zum Atmen. Worte hämmern in meinem Kopf – denn es tut weh, sich unangenehme Wahrheiten eingestehen zu müssen. Und manchmal steckt mehr Schmerz in uns, als wir ahnen. Dieser Gedanke raubt mir schlichtweg den Atem. Er hält mich fest.

Schlaftrunken steigen wir am nächsten Tag früh morgens in ein Auto. Julia, eine Studentin, die uns eine Mitfahrgelegenheit bietet, fährt uns durch die dunklen Straßen, während wir schlafen. Als ich die Augen aufschlage, sehe ich eine Stadt, von Nebel bedeckt. Es ist Annecy – ein malerisches Dorf zwischen den Bergen, umgeben von einem wunderschönen See. Möwen kreischen. Die Morgensonne strahlt durch die Gipfel und lässt den Nebel über dem Wasser leuchten. Es ist still, friedlich. Der See ist so klar, dass ich jeden Stein sehen kann, und die schneebedeckten Berge spiegeln sich im hellen Blau. In den letzten Tagen war ich immer so weit weg mit meinen Gedanken, so abseits. Jetzt sind sie wieder ganz da. Hier, in der kalten Luft und am klaren Wasser, sie stehen mit mir am See und hören sich beim Atmen zu. Bewundern die Schönheit der Natur. Und kommen zur Ruhe.

Die Stille lässt meine Seele fliegen. Sie lässt mich frei. Ja, es ist wahr – manchmal tragen wir mehr Schmerz in uns, als wir ahnen. Manchmal aber auch mehr Frieden.

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