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“Girl on the train” von Paula Hawkins ist ein Buch, das ich in zwei Nächten durchgelesen habe. Ein Buch, das mich benommen werden ließ. Meine eigene Realität existiert nicht länger, und ich lebe nur noch zwischen den Seiten weiter. Selbst wenn diese trist und grau sind und voller schrecklicher Dinge – ich kann nicht ausbrechen, die Spannung reißt mich mit.

Rachel nimmt jeden Tag den Zug um vier nach acht nach London, und um sechs Uhr abends fährt sie zurück. Früher ist sie diese Strecke zur Arbeit gefahren, doch auch jetzt, als Arbeitslose, legt sie den vertrauten Weg jeden Tag zurück. Der Zug hat an einer Stelle des Gleises oft Signalstörungen und hält deshalb kurz an. Dann kann Rachel von den Gleisen aus immer wunderbar eine Straße mit Reihenhäusern beobachten, für dessen Bewohner sie bald mehr empfindet, als normal ist. Ein paar Häuser neben dem Ehepaar, das sie am liebsten beobachtet – sie tauft die beiden Jess und Jason – lebt ihr Ex-Mann mit seiner Frau und ihrem gemeinsamen Kind. Mit der Frau, mit der er Rachel betrogen hat. In dem Haus, das er und Rachel gemeinsam gekauft haben.
Jeden Tag, den Rachel – meist betrunken – die Strecke entlangfährt und das Leben sieht, das ihr genommen wurde, wird ihr Schmerz schlimmer. Dann verschwindet Jess – und die Ereignisse in Rachels Leben überschlagen sich.

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Es ist faszinierend, von diesen alltäglichen Handlungen zu lesen, die Rachels Leben ausmachen. Wir lesen von ihr immer morgens und abends, immer wenn sie den Zug nimmt. Die ganze Zeit erwarten wir das Makabere, das sich hinter ihnen versteckt. Wollen Blut sehen, Geheimnisse. Und werden nicht enttäuscht. Der Voyeur in uns schaut Rachel zu, wie sie eine Voyeurin ist. Aus dem Zugfenster. Und jeden Tag dasselbe Haus anstarrt.

Ich kann euch sehr empfehlen, in Rachels traurige Welt einzutauchen, von der Spannung mitgerissen zu werden und nach und nach in ihre Geheimnisse eingeweiht zu werden. Zu verstehen, dass sie das fehlende Puzzleteil zwischen den beiden Ehepaaren ist. Meiner Meinung könnte alles nur noch intensiver werden. Mehr Leidenschaft, mehr Hass, mehr Drama. Aber dann würde wohl das Besondere dieses Romans verschwinden. Und zwar das Banale, das uns alle so sehr fasziniert.

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2 comments on “Girl on the train”

    • Oh, cool, es freut mich, dass wir da die gleichen Ansichten haben. Danke für deinen Kommentar und einen guten Rutsch ins neue Jahr liebe Janine! 🙂

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