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Seit einigen Jahren wird der Büchermarkt geradezu überschwemmt von Romanen, die von den letzten Tagen eines Krebspatienten erzählen. Sie handeln vom Umgang mit dem Tod, vom Abschied nehmen, von Wut und Hass auf diese schreckliche Krankheit. Ich will nicht bestreiten, dass jedes Mal eine Geschichte voll von liebevoll erdachten Charakteren erzählt wird. Und trotzdem wurde mir jedes Mal übel, wenn ich ein weiteres Krebsbuch im Hugendubel entdeckte. Folglich machte ich einen großen Bogen um sie herum. Warum sollte ich mich in meiner wertvollen Freizeit mit etwas so unsagbar Traurigem beschäftigen? Denn seien wir ehrlich, ein Happy End haben diese Bücher nie. Wann immer ich einen Klappentext dieser Bücher las, spürte ich, wie die Machtlosigkeit der Charaktere über den Krebs auf mich überging. Ich konnte weder die Menschen in den Büchern, noch die im echten Leben retten. Und das machte mich wütend.

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Als ich letzte Woche in der Stadtbücherei war, wurden meine Blicke von dem Buch „Die letzten Tage der Rabbit Hayes“ von Anna McPartlin magisch angezogen, denn ich finde das Cover sehr gelungen. Als ich den Klappentext gelesen hatte, zuckten meine Finger zurück. Oh Gott. Schon wieder so ein schrecklich trauriges Krebsbuch. Doch dann dachte ich darüber nach, dass zwei Krebsbücher es einmal geschafft hatten, mich unendlich zu berühren und mir so viel zu geben. „Bevor ich sterbe“ von Jenny Downham habe ich mit 14 Jahren gelesen und es war meine erste Begegnung mit Büchern über schlimme Krankheiten. Die 16-jährige Tessa hat Leukämie im Endstadium und erstellt eine Bucket-List – denn sie will noch einmal richtig leben, bevor sie stirbt. Noch nie habe ich den Tod so wunderschön beschrieben gesehen, noch nie bei einem Buch so bitterlich geweint (ja. Sogar mehr als bei New Moon, als Edward Bella verlässt. Wobei das auch ziemlich schlimm war;) Dieser Roman ist wirklich ein unglaublicher Schatz.

Über das zweite, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green, muss ich wohl nicht viel sagen. So traurig. Und sooo schön. Eine der herzzerreißendsten Liebesgeschichten. Tränen ohne Ende, aber jede Seite ist es wert.

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Heute stehen die beiden auf einem Ehrenplatz in meinem Bücherregal. Und deshalb gab ich dem Buch „Die letzten Tage der Rabbit Hayes“ eine Chance.

Rabbit ist vierzig Jahre alt, als sie mit Brustkrebs im Endstadium ins Hospiz kommt. Um ihr Bett herum versammelt sich ihre wunderbare Familie: ihre liebenden Eltern, ihre Schwester mit ihren 4 Söhnen, ihr Bruder, ihre beste Freundin, und ihre 12-jährige Tochter Juliet. Wie der Titel bereits ahnen lässt, hat auch dieses Krebsbuch kein Happy End, und auch Tränen waren bei diesem Exemplar unvermeidlich. Aber genauso lautes Lachen. Ich konnte es nicht aus der Hand legen und habe es unglaublich genossen, mich in eine Familie zu verlieben, die gar nicht existiert.

Dieses Buch zeigt uns wieder einmal, dass das Leben ein Geschenk ist, und dass wir mit unserer Familie selbst die schlimmsten Schicksalsschläge durchstehen können. Bitte lest dieses Buch! Es gehört mit „Bevor ich sterbe“ und „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zu drei der schönsten Bücher, die ich je lesen durfte. Vielleicht sollte ich Krebsbüchern ja doch öfter eine Chance geben…

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6 comments on “Die Sache mit den Krebsbüchern & Die letzten Tage der Rabbit Hayes”

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